Selbstmarketing ist für viele Fotografen noch ein Fremdwort
Silke Güldner, Berater und Coach für Fotografen aus Hamburg. Mehr Infos unter: www.silkegueldner.de
Geld als Fotograf zu verdienen wird in Zeiten von Ministock-Plattformen, auf denen Fotos nur wenige Euros kosten, immer schwieriger. Wer jedoch als Fotograf Marketing in eigener Sache macht, der hat durchaus gute Chancen an begehrte Jobs zu gelangen. Wir haben Silke Güldner, Beraterin und Coach für Fotografen aus Hamburg um Tipps zur Eigenvermarktung gebeten.
Wie kann sich ein Fotograf/in selbst vermarkten, wenn er kommerziell arbeiten will?
Silke Güldner Selbstmarketing ist für viele Fotografen, die kommerziell arbeiten immer noch ein Fremdwort. Eher zufällig und oft impulsiv werden einzelne Maßnahmen unternommen um Aufmerksamkeit zu bekommen, bzw. „entdeckt” zu werden. Selbstmarketing zu betreiben heißt, sich zeigen, präsent sein, auf sich aufmerksam machen. Die Grundausstattung dazu ist ein überzeugendes Portfolio, eine entsprechende Webpräsenz, sowie ein Give away, eine Visitenkarte oder ein anderes geeignetes Mailing, auch elektronisch, im individuellen Corporate Design des Fotografen. Außerdem zählen die Disziplin und das Engagement, regelmäßig Kontakte zu knüpfen und zu pflegen zu den wichtigen Basics im Selbstmarketing.Wie läuft die Akquise ab im Bereich Fotografie?
Silke Güldner Aus meiner Erfahrung ist Akquisition für eine große Zahl von Fotografen kein strategisch geplantes Projekt, wo es darum geht, die Ziel- und Wunschkunden ergebnisorientiert anzusprechen, sondern ein „Problemzustand” und wird nur eingeplant, wenn die Zahl der Aufträge zu wünschen übrig lässt, bzw. ein wichtiger Kunde verloren gegangen ist. Viele Fotografen fürchten das Akquirieren aus dem Grund, weil Sie schlecht vorbereitet sind, das heißt, wenig Bewusstsein entwickelt haben, über Ihre eigenen Fähigkeiten zu kommunizieren, Gespräche aktiv zu führen und ihre Präsentation interessant zu gestalten. Gute Akquisition will gut vorbereitet sein, setzt Kenntnisse über die Wunschkunden voraus und sollte regelmäßig eingeplant werden, unabhängig von der Auftragslage.
Was ist ein Repräsentant? Wer braucht einen?
Silke Güldner Repräsentanzen haben mehrere Fotografen unter Vertrag und arbeiten in allen beruflichen Belangen eng zusammen. Der Repräsentant vermarktet den Fotografen, führt für ihn Verhandlungen, tritt für ihn in Erscheinung. Er erstellt in Zusammenarbeit und Abstimmung mit dem Fotografen Kostenvoranschläge, organisiert Fotoproduktionen und Reisen, bucht oftmals das Team, Modelle und Locations. Es hängt von der individuellen Vereinbarung ab, die Agent und Fotograf miteinander getroffen haben, welche Aufgaben der Repräsentant übernimmt und wie viel Honorar er dafür vom Fotografen erhält.
Wie sieht eine gute Webpräsenz aus, damit diese zu Aufträgen führt?
Silke Güldner Eine gute Webpräsenz ist in der Corporate Identity des Fotografen gehalten und zeigt seine visuelle Stärke auf den ersten Blick. Sie ist ausgerichtet auf seine Kernzielgruppe und benutzerfreundlich angelegt, das heißt mit wenigen Klicks erhält der User einen ersten Überblick. Außerdem ist die Menüleiste übersichtlich gestaltet und bietet ein Portfolio zum downloaden an. Manche Fotografen bieten ihren Kunden auf der Startseite eine „short version” und eine „full version” an. Wenn der Kunde also genug Zeit hat und eine detaillierte Übersicht der Bildkompetenz und Bildsprache des Fotografen wünscht, kann er sich für die lange Version entscheiden.
Welche Bilder soll der Fotograf zeigen?
Silke Güldner Manche Fotografen packen alles, was Sie in ihrem beruflichen Leben irgendwann fotografiert haben auf ihre Website. Bitte nicht! Eine gute Homepage sollte aktuelle Bildserien zeigen und die Bildsprache darstellen, für die der Fotograf auch gebucht werden will. Besonders im Bereich der Modefotografie ändert sich der Zeitgeist und die Bildsprache fast pro Saison, da ist es besonders wichtig, ältere Strecken regelmäßig auszusortieren und News nachzuladen.
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