Photosynth: Die besten Synths beginnen mit den richtigen Fotos
Lori Grosland ist Technologie-Beraterin von Microsoft Deutschland. Uns hat die in Deutschland lebende Amerikanerin einige wichtige Tipps zu Photosynth verraten.
Mit dem Photosynth-Plug-In hat man jetzt die Chance, selbst ein 3D-Model aus eigenen Fotos zu erstellen. Wie viele Fotos sollte man zur Hand haben, um daraus ein räumliches Bild zu erzeugen?
Lori Grosland Für ein so genanntes Synth benötigen Sie zwischen 20 und 300 Fotos, je nachdem wie groß das Objekt oder der Ort ist. Die besten Synths werden aus vielen überlappenden Fotos aus verschiedenen Winkeln und von verschiedenen Positionen zusammengestellt. Wählen Sie zu Beginn ein einfaches Motiv, zum Beispiel ein Möbelstück oder ein Gemälde. Sie sollten innerhalb weniger Minuten ein gutes 10-Foto-Synth erstellen können, indem Sie die folgenden Ratschläge beherzigen. Anschließend können Sie ehrgeizigere Projekte angehen.
Muss man sich erst in das Produktionsverfahren einarbeiten, Software kennenlernen? Welches Equipment braucht man, um ein gutes Ergebnis zu erreichen? Profi-Kamera, Stativ, Drehteller etc.?
Lori Grosland Die Photosynth-Software ist sehr einfach zu bedienen und frei zugänglich auf www.Photosynth.com. Zur Erstellung eines Synths klicken Sie auf der Photosynth-Website auf „Create” (Erzeugen), wählen die zu verwendenden Fotos aus und vergeben einen Namen für die Kollektion. Nach dem Klick auf „Synth” setzt die Software automatisch das Bild zusammen und lädt es auf die Website hoch. Das fertiggestellte Synth lässt sich anschließend auf jedem unterstützten Rechner mit Breitbandverbindung betrachten. Eine Windows Live ID und ein Passwort sind nötig, um ein Photosynth manuell zu erstellen.
Synths lassen sich aus Fotos von fast jeder Art digitaler Kameras erstellen. Einfache Kameras von „Point and Shoot”-Modellen oder Handykameras bis zu anspruchsvollen Spiegelreflexkameras können dafür verwendet werden. Es gibt keine Minimal-Anforderungen für die Auflösung, aber Bilder mit 32 mal 32 Pixel sind die niedrigste Auflösung, um ein effektives Synth zu erstellen. Natürlich kann Photosynth auch mit sehr hochauflösenden Bildern arbeiten und erzeugt ein sehr schönes Ergebnis.
Ein Stativ oder ein Drehteller ist nicht nötig, aber wenn Sie ein Objekt fotografieren wollen, das klein genug ist, um es vor der Kamera auf eine Drehscheibe zu stellen und dann zu drehen, können Sie ein tolles Synth mit einem wunderschönen „Navigations-Halo” erstellen. Falls Sie keine fotografische Drehscheibe haben, seien Sie kreativ – ein drehbarer Servierplattenteller aus der Küche tut es ebenfalls. Beachten Sie die folgenden Hinweise, wenn Sie eine Drehscheibe benutzen:
- Montieren Sie Ihre Kamera auf ein Stativ.
- Stellen Sie das Objekt möglichst genau auf die Mitte der Drehscheibe.
- Positionieren Sie Ihre Kamera so, dass sich das Objekt im Mittelpunkt des Suchers befindet, und drehen Sie die Scheibe, um festzustellen, ob das Objekt während der Drehung im Rahmen bleibt.
Ein wichtiger Hinweis: Stellen Sie sicher, dass aus der Perspektive der Kamera wenig oder keine Textur hinter dem Objekt sichtbar ist. Sichtbare Texturen, die sich nicht bewegen, während sich das Objekt auf der Drehschreibe dreht, verwirren Photosynth. Es ist ratsam, hinter der Drehschreibe ein einfarbiges Tuch oder ein Stück Pappe zu platzieren.
Sie können ohne Weiteres ein Blitzlicht oder eine andere Lichtquelle hinzuschalten. Photosynth toleriert unterschiedliche Belichtungsverhältnisse ziemlich gut, so dass Sie sich keine Gedanken darüber machen müssen, ob verschiedene Teile des Objekts während der Drehung unterschiedlich beleuchtet werden.
Jetzt kommen wir zum einfachen Teil: Nehmen Sie ein Foto auf, drehen Sie dann das Objekt um nicht mehr als 15 Grad und nehmen dann das nächste Foto auf. Wiederholen Sie den Vorgang solange, bis Sie das Objekt um 360 Grad gedreht haben. Es ist nicht wichtig, die Drehung absolut gleichmäßig auszuführen, aber Sie sollten berücksichtigen, dass die 15-Grad-Regel von einigermaßen konvexen Formen ausgeht. Falls Sie ein Objekt mit vielen tiefen Einhöhlungen oder komplexen Überlappungen fotografieren, sollten Sie den Winkel zwischen Fotos auf weniger als 15 Grad verkleinern.
Welche Art von Fotos sind für ein gelungenes Synth besonders geeignet und welche nicht? Warum? Was spielt dabei eine wichtige Rolle?
Lori Grosland Die besten Synths beginnen mit den richtigen Fotos. Motive mit viel Textur funktionieren am besten, weil sie Photosynth eine zuverlässige Grundlage für die Analyse bieten. Gegenstände, die hübsche Fotos ergeben, lassen sich nicht unbedingt für gute Synths verwenden. Dies ist der Fall, weil Photosynth nicht Formen, sondern Texturen betrachtet und es ist die visuelle Textur, die die Bilder verbindet. Eine blanke Mauer ist für ein Synth nicht zu gebrauchen. Eine Mauer mit viel Kunst oder Postern hingegen funktioniert gut.
Wenn Sie ihre Bilder bearbeiten wollen, können Sie mit Farben, Kontrast und Helligkeit herumspielen. Photosynth ist erstaunlich unbeeindruckt von unterschiedlichen Farbschattierungen und dynamischen Bandbreiten. Sie können auch den Rote-Augen-Effekt reparieren oder andere Unvollkommenheiten in einem Teil des Fotos bearbeiten.
Andererseits sollten folgende Bearbeitungsschritte vermieden werden, weil sie Photosynth verwirren und die Qualität der Rekonstruktion beeinträchtigen:
- Beschneiden Sie Ihre Fotos nicht.
- Wenden Sie keine geometrischen Transformationen auf Ihr Bild an, mit Ausnahme von Drehungen. (Spiegelungen und Perspektivänderungen führen meist zu seltsamen Ergebnissen.)
- Verändern Sie die visuelle Textur des Bildes nicht mit Filtern. Rauschentfernung sollte keine Probleme verursachen, aber Unscharfzeichnungen oder andere künstlerische Filter werden mit großer Wahrscheinlichkeit das Ergebnis beeinträchtigen.
- Setzen Sie Wasserzeichen oder andere Elemente, die alle Fotos auf die gleiche Weise überlagern, nur mit großer Vorsicht ein. Wenn Sie sicherstellen wollen, dass Ihr Copyright angezeigt wird, benutzen Sie die Eingabefelder in der Photosynth-Anwendung oder suchen Sie auf unserer Support-Website nach den häufig gestellten Fragen (FAQ) zum Thema „Copyright”.
Ebenfalls wichtig: Stellen Sie sicher, dass alle Ihre Fotos richtig herum orientiert sind, bevor Sie mit dem Synth-Vorgang beginnen.
Wie sollte man mit den Motiv-Aufnahmen für ein besonders interessantes Synth vorgehen?
Lori Grosland Um gute Synths zu erstellen, sind viele Fotos aufzunehmen. Aber es reicht nicht aus, von einem einzigen Standpunkt aus die Kamera zu wenden und zu drehen. Sie müssen auch Ihre eigene Position verändern und das Motiv mit vielen überlappenden Fotos abdecken. Hier sind ein paar wichtige Tipps:
Halten Sie sich an die „Dreierregel”. Jeder Teil des Motivs sollte in mindestens drei getrennten Fotos erscheinen, die von verschiedenen Standpunkten aus aufgenommen wurden. Diese Regel hat zur Folge, dass Sie für ein Synth viel mehr Fotos als für jeden anderen Zweck aufnehmen müssen.
- Zuerst Panorama, dann Standpunktwechsel. Beginnen Sie mit einem Panorama des Motivs. Verändern Sie dann Ihren Standpunkt und nehmen Sie weitere Fotos aus verschiedenen Winkeln und von verschiedenen Positionen auf. Wenn Sie nur ein Panorama aufnehmen, werden Sie kein zufriedenstellendes 3D-Erlebnis erstellen können.
- Sorgen Sie für ausreichend Überlappung bei Panoramaaufnahmen. Versuchen Sie, eine Überlappung von mindestens 50 Prozent zwischen Fotos zu erreichen.
- Schränken Sie den Winkel zwischen Fotos ein. Wenn Sie sich um Ihr Motiv herumbewegen, versuchen Sie, höchstens etwa alle 25 Grad ein Foto aufzunehmen. Dies führt zu besseren Synths. Größere Winkeldifferenzen lassen sich nicht richtig zusammenfügen.
- Nehmen Sie Weitwinkelfotos auf. Diese Fotos, die aus größerer Entfernung oder am weiten Zoom-Ende Ihres Kameraobjektivs aufgenommen werden, lassen sich zuverlässiger rekonstruieren als Nahaufnahmen. Es ist ratsam, auch Nahaufnahmen zu verwenden, aber Sie benötigen unbedingt eine gute Abdeckung des Motivs mit vielen überlappenden Weitwinkelaufnahmen.
Beim Fotografieren eines Innenraums beginnen Sie damit, sich in die Mitte des Raums zu stellen und sich dann um die eigene Achse zu drehen. Erstellen Sie durch mehrere großzügig überlappende Aufnahmen ein Panorama. Fotografieren Sie dann aus den Ecken heraus. Achten Sie dabei auf eine Mischung aus Weitwinkel-, Mittel- und Nahaufnahmen – je mehr Vielfalt, desto besser. Berücksichtigen Sie die „Dreierregel”: Jeder Teil Ihres Motivs sollte möglichst in drei getrennten Fotos erscheinen.
Bei einem 3D-Objekt ist es wichtig, das Motiv zu umkreisen und ein hohes Maß an Überlappung zu erreichen. Um ein gutes Synth eines konvexen Objekts (etwa einer Vase) zu erstellen, sollten Sie etwa alle 15 Grad ein Foto aufnehmen. Damit sind mindestens 24 Bilder erforderlich, um eine Vase perfekt von allen Seiten zu fotografieren. Falls das Motiv nicht vollständig konvex ist, sind sogar noch mehr Aufnahmen erforderlich. Stellen Sie sicher, dass sich der Mittelpunkt des Motivs im Mittelpunkt des Bildes befindet und dass das Bild das gesamte Motiv umfasst. Fügen Sie in jedem Fall auch Nahaufnahmen hinzu.
Zusammengestückelte 3D-Bilder sind für jeden auf der Microsoft-Seite abrufbar. Wie sieht es eigentlich mit der Privatsphäre aus?
Lori Grosland Der Benutzer entscheidet selbst, welche Bilder er hochladen möchte. Dabei kann er auf Wunsch das Copyright für die eigenen Einzelbilder behalten. Photosynth erfüllt die Anforderungen der strengen Datenschutzrichtlinien von Microsoft. Bei Problemen oder Datendiebstahl hat jeder Anwender die Möglichkeit, entsprechende Vorgänge zu melden. In der aktuellen Version von Photosynth hat der Anwender jedoch keine Möglichkeit, den Abruf der kompletten Synths zu verhindern. Diese stehen allen Besuchern der Seite zur Verfügung. In einer zukünftigen Version von Photosynth wird es auch die Möglichkeit geben, komplette Synths zu schützen.
Für welche Zielgruppe eignet sich das Photosynth-Plug-in? Wer sind die Anwender?
Lori Grosland Photosynth ist für alle Fotografie-begeisterten Menschen geeignet. Dabei reicht die Palette vom Schüler bis zum Profi-Fotografen.
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