Geotargeting: Mehrwert für Nutzer
Steffen Trenkle ist Unitleiter Technologie bei der Kölner Agentur denkwerk und verantwortet das neu gegründete Kompetenzteam „Mobile” seit Mai 2008. Geotargeting ist auch für Ihn ein Thema. Mit uns hat er über die Vorteile, aber auch die Herausforderungen des Geotargeting gesprochen.
Wie präzise lässt sich der Aufenthaltsort eines Internetnutzers bestimmen?
Steffen Trenkle Durch Geotargeting wird IP-Adressen eine Lage zugeordnet. IP-Adressen können immer nur ihrem Besitzer zugewiesen werden, nicht ihrem Nutzer. In den meisten Fällen ist der Besitzer ein Internetprovider oder eine Firma und nur selten eine einzelne Person. Ein Nutzer sitzt beispielsweise in Köln mit T-Online als Provider, und somit bekommt er eine IP-Adresse aus Frankfurt zugewiesen. Er wird sehr wahrscheinlich Anzeigen sehen, die auf Frankfurt ausgerichtet sind. Die Aufenthaltsortbestimmung ist dieser Tage abhängig von genutzten Geotargeting-Systemen.Wie hoch ist die durch Proxy-Server oder Umschichtungen des IP-Pools bedingte Fehlerquote bei der Standortbestimmung?
Steffen Trenkle Der Anteil der Page Impressions, die hier auf einen Proxy Server zurückzuführen sind, liegt seit Anfang 2008 bei ca. 17 Prozent. Dies ist natürlich nicht repräsentativ, lässt aber vermuten, dass der Anteil der Internetnutzer, die einen Proxy Server verwenden, recht hoch ist – und damit auch die darauf zurückzuführende Fehlerquote.
Bei der Umschichtung der IP-Pools gehen wir davon aus, dass dies selten bis nie geschehen wird. Unsere Beobachtungen bei der Web-Analyse zeigen, dass grundsätzlich circa 30 Prozent der Besucher einer bestimmten Website (ca. 450.000 monatliche Nutzer) dem Raum Frankfurt (Serverstandort T-Online) zugeordnet werden. Auch der prozentuale Anteil der anderen Städte ändert sich immer nur marginal, was die Vermutung wohl in Teilen bestätigt. Die durch eine Umschichtung bedingte Fehlerquote halten wir daher für gering.
Geotargeting contra Suchmaschinen-Optimierung: Ist das Austauschen der angezeigten Inhalte auf Basis des Besucherstandorts nicht ein Platzierungs-Killer?
Steffen Trenkle Nein! Die Suchmaschinen-Optimierung bezieht sich auf die eingesetzten Keywords, mit der die Website optimiert wurde. Regionale Bezüge werden hierbei von Google nicht bevorzugt. Für Suchmaschinen-Marketing gilt: Die IP-Adresse wird nur verwendet, um regional (Region und Stadt) ausgerichtete oder benutzerdefinierte Anzeigen anzuzeigen, oder wenn ein Nutzer an einem beliebigen Standort eine Suchanfrage auf Google.com durchführt.
Folgende Beispiele zeigen auch den Mehrwert für den Suchmaschinen-Nutzer:
- Regional ausgerichtete und benutzerdefinierte Anzeigen: Unter Umständen sucht ein Nutzer mit einer IP-Adresse in Hamburg einen Installateur in Hamburg. In diesem Fall können regionale oder benutzerdefinierte Anzeigen angezeigt werden, die auf Hamburg ausgerichtet sind – auch wenn /Hamburg/ nicht in der Suchanfrage enthalten ist.
- Suchen auf Google.com: Für einen Nutzer mit einer IP-Adresse in Frankreich, der auf Google.com sucht, können auf Frankreich ausgerichtete Anzeigen angezeigt werden, auch wenn der Nutzer nicht Google.fr verwendet.
Mittels Geotargeting wird letztlich der Aufenthaltsort eines einzelnen Nutzers ermittelt – sehen Sie darin ein Problem für den Datenschutz?
Steffen Trenkle Es wird nicht der Aufenthaltsort eines Nutzers, sondern eher der Aufenthaltsort des verwendeten Computers ermittelt, der gerade genutzt wird. Diese Information würde ich noch nicht als unmittelbar personenbezogen erachten. Geht man davon aus, dass dies maximal auf Städte-Ebene möglich ist, könnte ich genauso gut nach dem datenschutzrechtlichen Problem von Kfz-Kennzeichen fragen. Aber um die Frage zu beantworten: Nein, was Geotargeting betrifft, sehe ich kein Problem für den Datenschutz!
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