Beim Still Life geht es nicht unbedingt nur um Technik

andre-hoenicke André Hönicke ist Fotodesigner aus Freiburg. Für ihn ist Still Life nicht unbedingt nur um Technik, sondern mehr die Auseinandersetzung mit Dingen, den jeweiligen Objekten und ihrer Funktion.

Worum geht es bei der Still Life-Fotografie?

André Hönicke Beim Still Life geht es nicht unbedingt nur um Technik, sondern um die Auseinandersetzung mit Dingen, den jeweiligen Objekten, mit ihre Funktion, Form, Material, Oberfläche, Farbe, Haptik. Der Bauhaus-Leitsatz „Form folgt Funktion” ist für mich auch bei der Fotografie anwendbar. Danach kommt die Idee oder das Konzept.

Wie kann so ein Konzept aussehen?

André Hönicke Nun, dabei geht es um die Frage, wie man ein Objekt darstellen soll, welche Perspektive die Funktion transportiert und in welchem Kontext man das Objekt zeigt. Ist das Umfeld reduziert und so auf das Wesentliche konzentriert oder zeige ich es in einer „realen Situation”, fotografiere ich das Objekt sehr sachlich oder lebt das Bild durch zusätzliche „unkontrollierbare” Einflüsse um ein Moment von Authentizität zu erzeugen.

Welche Kameras eignen sich am besten für den Einsatz in der Still-life Fotografie? Warum?

André Hönicke Ich finde immer noch die Fachkamera 4×5 Inch oder größer und auf Filmmaterial am besten für Still Life geeignet, da ich dadurch gezwungen werde, sehr konzentriert zu arbeiten und auf der großen Mattscheibe das 3-D Objekt auf einer 2-D Fläche abgebildet sehe. Formal ist das Bild so am besten zu gestalten. Ich finde, es entspricht am ehesten dem Wesen der Fotografie.

Mit einer Kleinbildkamera geht das nicht?

André Hönicke Doch, auch auch mit einer Kleinbildkamera kann ich sehr gut arbeiten, mit ihr fotografiere ich mehr „aus dem Bauch”, spontaner, schneller, etwas weniger kontrolliert. Je nach Idee kann das dem Bild gut tun, eine kleine Portion Zufall. Qualitativ ist ein großes Kameraformat mit den dazugehörigen Objektiven natürlich besser, um Material, Beschaffenheit und die Oberfläche eines Objektes perfekt heraus zu arbeiten.

In Punkto Beleuchtung kommen Glühbirne, Halogenstrahler, Tageslichtleuchte und Blitzlicht in Frage. Wo liegen Vor- und Nachteile von den vier Alternativen?

André Hönicke Ich arbeite hauptsächlich mit Blitzlicht über Generatoren, da ich so am besten das Licht steuern und kontrollieren kann. Außerdem ist es für den Umgang mit Schärfe/Unschärfe, also für die Wahl der Blende wichtig, die Lichtintensität zu erhöhen oder abschwächen zu können. Blitzlicht ist sehr schnell z.B. wenn man Bewegungen einfrieren will. Und Blitzlicht arbeitet sehr konstant, ich kann nach einem Jahr die gleiche Lichtsituation nachbauen und bekomme fast dasselbe Ergebnis. Weiterer Vorteil: Arbeiten ist auch im tageslichthellen Studio möglich. Nachteil: Teuer.

Stills bei Tageslicht oder bei Glühbirnen Licht. Ist das möglich?

André Hönicke Ja, manchmal arbeite ich auch mit vorhandenem Tageslicht, dann spiegelt sich das lichtgebende Fenster, der Raum oder der Himmel im Objekt wider, was ich sehr schön finde, da es echt ist und nicht so sehr technisch anmutet. Vorteil: kostet nix und man arbeitet sehr spontan Nachteil: ändert sich ständig, nicht immer verfügbar. Glühbirnen würde ich nur verwenden, wenn sie konkret mit im Bild sind, sichtbar oder es keine andere Möglichkeit gibt, also vor Ort, in einem sehr großer Raum oder kein Platz für extra Licht vorhanden ist. Das Lichtspektrum der Glühbirne ist im warmen bis rötlichen Bereich, es wird sehr gelb und mit Farbverschiebungen im Bild wiedergegeben. Kann natürlich auch schon wieder die Idee sein.

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