Weitwinkelobjektiv im Einsatz
Weitwinkelobjektive sind ein heikles Thema, da sich schon kleine Fehler ziemlich groß im Bild zeigen. Mit etwas Erfahrung gelingen jedoch emotionale Bilder mit viel Dynamik. Was alles so mit einem Weitwinkelobjektiv möglich ist und wovon sollte man Finger lassen, hat uns Ralf Krause, Dortmunder ambitionierter Hobby-Fotograf und Betreiber der privaten Fototipp- und Hobbyseite verraten.
In welchen Aufnahmesituationen ist ein Weitwinkel- oder Superweitwinkelobjektiv einsetzbar?
Ralf Krause Generell beginnt das Einsatzgebiet eines Weitwinkelobjektives immer da, wo mehr auf´s Bild drauf soll, als das vorhandene (Nicht-Weitwinkel-) Objektiv erfassen kann. So finden Weitwinkelobjektive ihren Einsatz in großen Räumen, der Landschaftsfotografie und ganz allgemein in der Reportagefotografie (wegen der großen Schärfentiefe). Superweitwinkelobjektive gehen schon einen deutlichen Schritt weiter, werden zwar auch in der Naturfotografie eingesetzt, aber finden ihren Einsatz durch ihre speziellen Abbildungseigenschaften eher in der künstlerischen Fotografie.
Was kann man bei den Aufnahmen mit einem Weitwinkelobjektiv falsch machen?
Ralf Krause Das alte Sprichwort: “Weniger ist oft mehr” gewinnt beim Einsatz von Weitwinkelobjektiven an Bedeutung. Die Versuchung, möglichst viel auf´s Bild zu bekommen, lässt das fotografierte Bild schnell langweilig oder überfrachtet wirken. Beim Einsatz von Weitwinkelobjektiven ist es wichtig, sich Gedanken über den Bildaufbau zu machen und den Betrachter durch gezielte Tiefenstaffelungen ins Bild zu führen (Vordergrund, Mitte, Hinten). Ein weiterer oft begangener Fehler bei dem Einsatz eines Weitwinkelobjektives ist die Verwendung eines falschen Blitzlichtes. Unterstützt der verwendete Blitz nicht den Bildwinkel des Weitwinkelobjektives, kommt es zu zum Teil deutlich sichtbaren Schattierungen an den Bildrändern.
Worauf sollte man bei Nahaufnahmen, Landschaften, Architektur, Räumen achten? Was kann da schief gehen?
Ralf Krause Neben den bereits erwähnten gestalterischen Fehlern bei Landschaftsaufnahmen und Blitzlichtproblemen in Räumen, gilt es besonders die objektivtypischen Verzerrungen des realen Bildes zu kontrollieren. Weitwinkelobjektive beugen gerade Linien im Bild gerne kreisförmig durch und stellen das näher vor dem Objektiv befindliche größer dar, als den Hintergrund. So kann es passieren, dass man durch ein Weitwinkelobjektiv von seinem Standort aus die Kirche samt Kirchturmspitze komplett auf´s Bild bekommt, sich die Wände der Kirche inklusive Spitze aber dermaßen biegen, dass so ein Foto schon grotesk wirkt. Und wenn man erwartungsvoll die Freundin im Halbportrait per Weitwinkelobjektiv von nahem fotografiert, kann das zu üblen Beziehungsproblemen führen.
Die Abbildungseigenschaften des Weitwinkelobjektives werden sich in Form einer großen Nase und flüchtenden kleinen Ohren in Verbindung mit einem insgesamt zu großen Kopf auf einem kleiner werdenden “Restkörper” niederschlagen. Gewollt und gezielt eingesetzt ist das sicher ein Hingucker, unbeabsichtigt eher ein Problem… Ein Vorteil des großen Aufnahmewinkels und des Weitwinkelobjektives ansich ist der deutlich höhere Schärfentiefebereich, der geschickt eingesetzt sogar den Autofokus zumindest tagsüber bei Sonnenschein überflüssig macht (schnelleres Reagieren und Fotografieren) und die Tatsache, weniger schnell zu verwackeln. Ein Plus bei Foto-Momenten in der Dämmerung oder zu meiner geliebten Blauen Stunde, wenn man im Urlaub mal gerade kein Stativ unterm Arm beim frühabendlichen Spaziergang mitschleppen will.
Was ist die optimale Brennweite?
Ralf Krause 28mm gerechnet im analogen Kleinbildformat, was heutzutage für die meisten DSLR 18mm heißt. Bei der Brennweite sind die Verzerrungen kontrollierbar und nicht bildbestimmend, andererseits kann man alle Vorzüge des weiteren Bildwinkels perfekt nutzen.
Was würden Sie den Anfänger und Einsteiger in diesem Fall empfehlen? Gibt es ein Weitwinkelobjektiv für alle Fälle?
Ralf Krause Dem Anfänger, aber auch dem schon etwas fortgeschrittenem Fotofan würde ich ein Zoom- Objektiv empfehlen, das neben den Weitwinkelbrennweiten über die Normaleinstellung hin zum Telebereich geht. Ideal ist somit ein 18-200mm- Objektiv. Es deckt alle Einsatzgebiete des ambitionierten Fotofans ab und beinhaltet, um beim Thema Weitwinkel zu bleiben, die klassischen 28mm und 35mm (im Verhältnis zum analogen Filmmaß). Alle, die im Weitwinkel ihre neue fotografische Herausforderung finden, sollten über die Anschaffung eines reinen Weitwinkelzooms nachdenken. Hier empfiehlt sich besonders ein Brennweitenbereich von 12-24mm bzw. 15-30mm. Allerdings haben diese Objektive auch einen stolzen Preis, was ein intensives Abwägen der möglichen fotografischen Einsatzbereiche im Vergleich zu einem Universalzoom des Bereiches 18-200mm voran gehen sollte.
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