Dirk Mayer zu ePayment
Dirk Mayer ist Senior Consultant bei der Experian Deutschland GmbH. Das Unternehmen unterstützt Organisationen und Verbraucher darin, die Risiken von Geschäfts- und Finanzentscheidungen zu steuern und so die Profitabilität der Entscheidungen zu maximieren.
Wie viele verschiedene Zahlungsarten sollte ein Online-Shop-Betreiber anbieten und auf welche sollte er keinesfalls verzichten?
Dirk Mayer Das hängt von der Branche und den Zielkunden ab. Grundsätzlich sollte die Zahlung mit Kreditkarte angeboten werden, bei B2B-Geschäften Rechnungskauf für bekannte Kunden. Im B2C-Bereich in Deutschland ist weiterhin die Lastschrift die wichtigste Zahlungsart. Wer diese nicht anbietet muss mit hohen Abbruchquoten rechnen. Vorkasse sollte immer im Angebot sein, ein kleiner Anreiz für die Kunden versüßt die für den Händler sichere Zahlungsart.
Gibt es derzeit besonders beliebte Zahlungsarten? Welche sind das?
Dirk Mayer In Deutschland weiterhin die Lastschrift. Kreditkartenzahungen sind ebenfalls selbstverständlich. Bei Geschäften in ausländischen Märkten oder in speziellen Branchen muss man alternative Verfahren wie Paypal oder Wirecard berücksichtigen.
Welche Rolle spielen heute Bezahlsysteme für das mobile Internet?
Dirk Mayer Die Bezahlformen scheinen hier noch eine geringe Rolle zu spielen. Noch, da es meines Wissens keine wirklich aussagekräftige Untersuchung zu dem Thema in Europa gibt. Es sind jedoch Trends erkennbar: Es werden laufend mehr Dienstleistungen diskutiert und zum Teil bereits angeboten, die explizit auf ein mobiles Umfeld ausgerichtet sind. Dies können Karten für Events sein oder auch just-in-time Dienstleistungen, z.B. Call-a-Bike. Für diese Unternehmen bieten sich deutliche Vorteile durch sichere mobile Bezahlsysteme.
Wesentlich wichtiger sind alternative Zahlungsformen heute in Ländern wie Indien oder Teilen von Afrika; dies liegt jedoch daran, dass es dort keine andere Infrastruktur für den Zahlungsverkehr gibt. Dies erklärt auch den Erfolg von Bezahlverfahren wie M-Pesa.
Zahlungsausfälle sind ein Riesenthema. Bei welchen Zahlungsarten ist der Shop-Betreiber auf der sicheren Seite?
Dirk Mayer Grundsätzlich bei Keiner! Ein Risiko ist ja nicht nur der Zahlungsausfall, sondern auch der Kaufabbruch durch den Kunden, der halt nicht per Vorkasse zahlen will. Im Versandhandel sind z.B. Rücklieferungen aus Nachnahme ein hoher Kostenfaktor. Es geht immer um die Optimierung der Zahlungsverfahren gegen Risiko und Kosten.
Ohne auf die Branche und das Geschäftsmodell einzugehen wäre eine typische Reihenfolge nur nach Sicherheit für den Händler: Vorkasse, Zahlung über Sonderrufnummer, Nachnahme, Kreditkartenzahlung mit 3D-Secure, Kreditkarte ohne 3D, Lastschrift, Rechnung. In der Wahrscheinlichkeit des Kaufabbruchs ist die Reihe jedoch umgedreht und hängt von weiteren Faktoren ab.
Wie sinnvoll sind Zahlungsanbieter wie etwa Worldpay oder Payone? Macht das auch aus kaufmännischer Sicht Sinn diese zu beauftragen?
Dirk Mayer Auf jeden Fall für kleinere Anbieter. Zum einen reduzieren Payment-Service-Provider (PSP) den technischen Anbindungsaufwand, viel wichtiger ist es jedoch, dass auch Betrugsprävention und Risikomanagement günstig eingekauft werden können. Bei größeren Online-Shops stellt sich die Frage, ob die Kompetenzen im Haus vorhanden sind und ob das Outsourcing selbst bei etwas höheren Stückkosten nicht immer noch die beste Lösung bleibt.
Gerade größere Shopbetreiber oder Spezialanbieter mit betrugsanfälligen Produkten, z.B. digitale Mehrwertdienste, müssen sich den Anbieter jedoch sehr genau anschauen: Es sollten verschiedene Auskunfteien und andere Datenquellen angebunden sein, um den Aufbau von Entscheidungsstrategien mit bestem Preis-Leistungs-Verhältnis zu ermöglichen. Der Anbieter sollte Referenzen in dem Marktsegment haben. Kreditkartenzahlung 3D-Secure sollte möglich und steurebar sein. Bestenfalls setzt der PSP ein Standardsystem ein, in dem die Entscheidungsstrategien ohne Programmieraufwand ausgetauscht werden können. Trennen kann der Kunde analytische Dienstleistungen, z.B. für einen Auskunftei-Benchmark. Dafür sind Spezialanbieter in der Regel besser aufgestellt.
Welche Probleme können Effizienz und Sicherheit der Zahlung auf Unternehmens und auf Kundenseite gefährden?
Dirk Mayer Fast alle Unternehmen unterschätzen:
- das Einsparpotential eines guten Zahlungsprozesses
- das Abbruchrisiko eines schlechten Prozesses
- das Betrugsrisiko
Ein Zahlungsprozess sollte nur bei sehr kleinen Shops (Umsatz < TE 20 pro Monat) einfach vom PSP übernommen werden. Viel sinvoller ist eine kurze Prozessuntersuchung und der Design des Zahlungsprozesses. Hier lohnt sich ein externer Berater.
Welche Rolle spielen die Unternehmensgröße und die Zahlungsgewohnheiten der Käufer für die Bereitschaft neu, höher entwickelte -Zahlungsmethoden einzusetzen?
Dirk Mayer Grundsätzlich sind größere Unternehmen eher bereit alternative Zahlungsformen einzusetzen, da schon eine geringe Verbesserung der Kaufabbruchquote die technische Investition rechtfertigt.
Welche Angebote gibt es heute für Unternehmen, ePayment & Collection sicher zu realisieren? Worin unterscheiden sich die?
Dirk Mayer Das Angebot geht von Fulfillment-Providern über Payment-Service-Provider mit ergänzenden Partnern, über Dienstleister für einzelne Bestandteile der Prozesskette bis hin zu speziellen Softwareangeboten. Von Paymentabwicklung inklusive Factoring über Inkassodienstleistungen bis zur Cellection-Software. Wo für den kleinen Shopbetreiber eine ganz einfache Payment-Software mit Abrechnung auf Transaktionsanzahl sinnvoll ist, braucht der große Versandhändler eine spezielle Decision-Engine oder eine Collection-Software.
Aus Händlersicht – Wie verhindere ich, dass ich liefere und kein Geld bekomme?
Dirk Mayer Wie beschreiben ist die reine Ausfallverhinderung nicht der Königsweg. Vorkasse geht natürlich immer. Die Frage ist nur, wie viele Kunden das mitmachen.
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