Thomas Krabichler zu ePayment

thomas-krabichler-ibi-research Thomas Krabichler, Projektleiter bei ibi research an der Uni Regensburg GmbH. Um die wichtigsten Informationen für den erfolgreichen Aufbau und Betrieb eines Online-Geschäfts in einfach verständlicher und prägnanter Form zusammenzustellen, haben die Lösungsanbieter Atrada, atriga, cateno, ConCardis, creditPass, etracker, EURO-PRO, Hermes Logistik Gruppe, mpass, saferpay und xt:Commerce gemeinsam mit ibi research einen kostenlosen Leitfaden zum erfolgreichen Handel im E-Commerce entwickelt.

Wie viele verschiedene Zahlungsarten sollte ein Online-Shop-Betreiber anbieten und auf welche sollte er keinesfalls verzichten?

Thomas Krabichler Unsere Umfragen haben ergeben, dass die meisten Händler zwischen drei und fünf Zahlungsverfahren anbieten. Die auf Händlerseite am weitesten verbreiteten Verfahren sind Vorkasse, Nachnahme, PayPal, Rechnung, Kreditkarte und Lastschrift. Von den Kunden wird am liebsten Rechnung, Lastschrift oder Kreditkarte genutzt.

Welche Zahlungsverfahren im Einzelnen angeboten werden sollten, hängt auch von der spezifischen Zielgruppe des Online-Shops ab. So ist die Kreditkarte das präferierte Zahlungsverfahren für 26- bis 45-jährige, gut verdienende Männer. Die Zielgruppe der unter 25-jährigen besitzt häufig keine Kreditkarte, nutzt dafür aber eher E-Payment-Verfahren wie PayPal, ClickandBuy oder mobile Payments.

Gibt es derzeit besonders beliebte Zahlungsarten? Welche sind das?

Thomas Krabichler Am beliebtesten bei den Kunden sind eindeutig die Zahlung per Rechnung oder per Lastschrift. Werden diese Zahlungsverfahren angeboten, geht die Kaufabbruchquote deutlich zurück. Allerdings bedeuten diese Zahlungsverfahren auch das höchste Risiko für den Händler, dass die Zahlung nicht erfolgt bzw. zurückgebucht wird. Daher müssen unbedingt flankierende Risikomanagement-Maßnahmen wie Adress- und Bonitätsprüfungen durchgeführt werden.

Welche Rolle spielen heute Bezahlsysteme für das mobile Internet?

Thomas Krabichler Trotz offensichtlicher Vorteile wie der Autorisierung der Zahlung über einen zweiten Kommunikationsweg konnten sich M-Payment-Verfahren in Deutschland bislang nicht durchsetzen. Beispiele aus dem Ausland zeigen jedoch, dass es auch erfolgreiche Ansätze gibt. Das M-Payment-Verfahren „paybox“, das in Deutschland wieder eingestellt wurde, wird in Österreich von den vier größten Mobilfunkbetreibern als gemeinsamer Standard unterstützt. Weitere Beispiele sind MobiPay (Spanien), Obopay (USA) oder M-Pesa (Kenia).

Mit mpass, das von den Mobilfunkbetreibern Vodafone und O2 gegründet wurde, steht in Deutschland seit Herbst 2008 ein neues M-Payment-Verfahren zur Verfügung. Mit dem Verfahren können alle Handy-Besitzer bezahlen, die Kunden eines deutschen Mobilfunkanbieters und Inhaber eines deutschen Girokontos sind. Die Ausgangsbasis ist somit sehr vielversprechend.

Wie unsere Studie „E-Commerce in Deutschland“ zeigt, sehen die meisten Online-Händler in M-Payment-Verfahren durchaus Potenzial. M-Payment-Verfahren können aber nicht nur für den Online-Einkauf genutzt werden. Beispiele für weitere Einsatzmöglichkeiten von M-Payment-Verfahren sind das Aufladen von Prepaid-Handys, der Warenkauf am Automaten oder im Ladengeschäft, das Herunterladen von Software, Klingeltönen oder elektronischen Tickets („M-Ticketing“) auf das Handy, die Begleichung von Parkgebühren („Handy-Parken“) oder der Geldtransfer an andere Handybesitzer („Person-to-Person-Zahlungen“). Wie sich mobile Zahlungsverfahren zukünftig entwickeln werden, hängt daher nicht nur von der Akzeptanz im Online-Handel, sondern auch von der Entwicklung attraktiver Einsatzmöglichkeiten außerhalb des Internet ab.

Zahlungsausfälle sind ein Riesenthema. Bei welchen Zahlungsarten ist der Shop-Betreiber auf der sicheren Seite?

Thomas Krabichler Bei Lieferungen per Vorkasse ist der Händler immer auf der sicheren Seite. Allerdings geben fast 80% der von uns befragten Kunden an, den Kauf abzubrechen und nach einem anderen Anbieter zu suchen, wenn ein Händler nur Vorkasse akzeptiert. Die meisten Händler kommen daher nicht umhin, ein gewisses Risiko zu akzeptieren bzw. flankierende Maßnahmen wie Adress- und Bonitätsprüfungen zu ergreifen, um die Risiken bei Zahlungen per Rechnung, Lastschrift oder Kreditkarte zu reduzieren. Viele Payment Service Provider, Kreditkarten-Acquirer oder spezialisierte Risikomanagement-Dienstleister haben mittlerweile geeignete Dienstleistungen für Online-Händler im Angebot. Zum Teil gibt es auch die Möglichkeit, sich gegen eine entsprechende Gebühr vollständig gegen Zahlungsausfälle abzusichern.

Welche Probleme können Effizienz und Sicherheit der Zahlung auf Unternehmens und auf Kundenseite gefährden?

Thomas Krabichler Der Kunde ist in der Regel auf der sicheren Seite, weil die Beweislast bzw. die Pflicht zur Durchsetzung des Zahlungsanspruchs grundsätzlich beim Händler liegt. Auf Händlerseite können u.a. die folgenden Probleme auftreten:

  • Die Rechnung und / oder die Lieferung ist nicht zustellbar
  • Der Kunde nimmt die Lieferung nicht an
  • Die Rechnung wird nicht oder nicht vollständig bezahlt
  • Die Lastschrift oder Kreditkartenzahlung wird zurückgebucht
  • Der Kunde ist nach erfolgreicher Auslieferung unbekannt verzogen

Welche Rolle spielen die Unternehmensgröße und die Zahlungsgewohnheiten der Käufer für die Bereitschaft neu, höher entwickelte -Zahlungsmethoden einzusetzen?

Thomas Krabichler Unseren Studien zufolge wird umso eher mit E-Payment-Verfahren bezahlt, je häufiger die Kunden im Internet einkaufen. Der Anteil der Lastschriftzahlungen geht dagegen mit zunehmender Einkaufshäufigkeit zurück.

Welche Bedeutung kommt der internetbasierten Zahlungsabwicklung aus Unternehmenssicht – z.B. im Hinblick auf internationale Wettbewerbsfähigkeit – zu?

Thomas Krabichler Die internetbasierte Zahlungsabwicklung ist mittlerweile die Grundvoraussetzung, um im Wettbewerb erfolgreich zu sein. Mit einer zunehmenden Anzahl potenzieller Kunden, die auch im Internet Geschäfte abschließen wollen, wird sich auch der Wettbewerb dort noch stärker auf die internationale Ebene verlagern. Viele ausländische Anbieter sind gerade dabei, ihre Internet-Auftritte zu internationalisieren und werden zukünftig auch in Deutschland und in anderen europäischen Märkten aktiv werden. Dem gilt es mit eigenen attraktiven Angeboten zu entgegnen.

Welche Angebote gibt es heute für Unternehmen, ePayment & Collection sicher zu realisieren? Worin unterscheiden sich die?

Thomas Krabichler Beantwortung würde den Rahmen sprengen, grundsätzlich ist zu unterscheiden zwischen:

  • Anbietern von E-Payment-Verfahren wie PayPal, ClickandBuy oder mpass, die zum Teil auch eine Zahlungsgarantie bei Erfüllen bestimmter Bedingungen und / oder gegen zusätzliche Gebühren gewähren.
  • Adressdienstleistern wie die Deutsche Post, die Abfragen ermöglichen, ob eine Adresse existiert bzw. ob Sendungen an diese Adresse zustellbar sind.
  • Auskunfteien wie accumio, Bürgel, Creditreform oder Schufa, die die Prüfung der Bonität von Verbrauchern oder Unternehmen ermöglichen.
  • Spezialisierten Risikomanagement-Dienstleistern wie creditPass, die Angebote verschiedener Auskunfteien und Anbieter von Adressdienstleistern bündeln.

Diese Unternehmen arbeite unter anderem auch mit Payment Service Providern wie Saferpay oder Inkassounternehmen wie atriga zusammen, die deren Leistungen an Händler vermitteln.

Aus Händlersicht – Wie verhindere ich, dass ich liefere und kein Geld bekomme?

Thomas Krabichler Die Lieferung per Vorkasse ist häufig die nächstliegende Option, schreckt aber viele Kunden ab. Besser ist es, gemeinsam mit Anbietern von E- oder M-Payment-Verfahren oder Risikomanagement-Dienstleistern Lösungen zu suchen, um das Risiko für den Händler bei gleichzeitigem Angebot attraktiver Zahlungsmöglichkeiten zu reduzieren.

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