Ossi Urchs zum IT-Trend Cloud Computing
Seit 1982 betreibt Ossi Urchs gemeinsam mit Sigi Höhle die F.F.T. MedienAgentur, die heute Unternehmen bei der Entwicklung ihrer Web-Strategien unterstützt. Daneben verfasst er seit 1986 zahlreiche Beiträge in Fachbüchern und Zeitschriften zu Digitalen Medien, Interaktiver Kommunikation, Online-Marketing, E-Commerce, Web 2.0 und Social Networks. Der richtige Experte also, um mal zu Fragen, was es mit dem Cloud-Computing-Hype auf sich hat.
Cloud-Computing ist in aller Munde, doch kaum jemand wisse, was das sei, sagen Sie. Wie kommt das?
Ossi Urchs Zum einen, weil sich hinter dem eingängigen Begriff ein doch recht komplexer Sachverhalt verbirgt. Und zum anderen, weil das, was das Schlagwort verspricht, nämlich die ganze IT „einfach” in die „Wolke” namens Internet zu verlagern, so bestechend attraktiv klingt, dass sich kaum noch jemand der Mühe unterziehen will, auch zu verstehen, wie das funktionieren soll und kann. Das Ganze ist aber ein Phänomen, dass viele Hype-Begriffe und Schlagworte erleben, also nichts „cloud-spezifisches”.
Ist der Name falsch gewählt. Ist „Cloud-Computing“ zu abstrakt?
Ossi Urchs Nein: Im Gegenteil. Insbesondere in der englischsprachigen Community weiß jeder, was sich hinter, oder besser: in der Cloud verbirgt. Und auch hier zu Lande ist die Vorstellung vom Internet als der Cloud, bereits seit den ersten schematischen Darstellung von Internet-basierten Funktionen und Prozessen in den 90er Jahren bekannt. Der Begriff ist nicht zu abstrakt, sondern, wenn Sie so wollen, zu griffig und attraktiv.
Ist der Hype um die Cloud gerechtfertigt oder wird sich der Staub bald wieder legen?
Ossi Urchs Der Hype ist nicht nur gerechtfertigt, sondern auch verständlich. Wird hier doch auf der IT-Seite auf einmal sichtbar, was die Nutzer bereits mit den “Sozialen Netzwerken” des Web 2.0 erlebt haben: Das wahre Potenzial des Internet, das weit über die Kommunikations-Anwendungen der Anfangszeit hinaus geht.
Wie steht es Ihrer Meinung nach mit der Sicherheit der Daten in der „Cloud“?
Ossi Urchs Da sieht es in der Cloud nicht anders aus, als im „richtigen Leben”: 100 prozentige Sicherheit gibt es nicht. Aber wenn man die zur Verfügung stehenden Sicherheits-Tools und -Techniken nicht nur kennt, sondern auch anwendet, sollte man vor bösen Überraschungen, wie sie T-Mobile in den USA gerade mit dem „Danger”-Service von Microsoft erlebt hat, bewahrt bleiben.
Was sollte man nicht machen?
Ossi Urchs Vor allem sollte man bei Cloud-Projekten anfangs sehr genau überlegen, welche Daten man im Netzwerk verarbeiten will. Das sollten zumindest in der Anfangsphase nicht gerade die sicherheitsrelevantesten Daten eines Unternehmens sein. Geht es um die Verarbeitung solcher hoch-kritischer Daten bleibt auch zu überlegen, ob dafür eine “private” Cloud-Strategie, wie sie z. B. IBM vorschlägt und anbietet, nicht besser geeignet ist.
Wozu eignet sich Cloud-Computing besonders gut?
Ossi Urchs So generell ist das natürlich nur schwer zu sagen. In jedem Fall aber für unregelmäßig anfallende, hoch-komplexe IT-Aufgaben: Denken Sie an das Rendern ganzer Hollywood-Filme, die ursprünglich ganz oder zum großen Teil am Rechner entstanden sind. Früher mussten Produktionshäuser wie etwa Pixar dafür ganze „Server-Farmen” anschaffen und auch managen. Das ist nun nicht mehr notwendig. Andererseits sehen wir mit Google-Apps, dass auch Office-Software-Pakete in der Cloud ebenso attraktiv wie wettbewerbsfähig sein können.
Wo liegen die Einsatzgebiete für KMUs?
Ossi Urchs Gerade der zuletzt erwähnte Fall, sollte auch für KMUs interessant sein. Darüber hinaus sind natürlich alle webbasierten Applikationen interessant – und das geht heute ja weit über die klassische Website hinaus: heute geht es dabei um ERP genau wie um CRM-Anwendungen, um nur einige offensichtliche Beispiele zu nennen. Im Grunde genommen ist aber alle Aufgaben und Dienste, die sich in die Cloud verlagern lassen, gerade für KMUs, die ja normalerweise keine eigene IT-Abteilung haben, bedenkenswert.
Welche neuen Anwendungen sind durch die Cloud möglich?
Ossi Urchs Wenn Sie sich Location Based Services vorstellen, die einen Informations-Layer, sei es über eine Karten- oder auch über eine durch die Video-Kamera generierte Umgebungs-Ansicht, anbieten, dann lassen sich die dafür notwendigen Kapazitäten und Informationen sehr gut aus der Cloud beziehen, so dass der mobile Client nicht vollständig überlastet wird, und auch noch für andere Aufgaben zur Verfügung steht. Ähnliche „intelligente” Interfaces zwischen dem Nutzer und seiner aktuellen Umgebung, lassen sich in vielfältiger und persönlich ganz unterschiedlich konfigurierter Form denken. Und sie alle sind hervorragend für Cloud-Lösungen geeignet.
Ein Ausblick: Wann glauben Sie, wird sich die Cloud auch bei der Masse der Nutzer und auch bei den Unternehmen durchsetzen?
Ossi Urchs Je schneller sie verstehen, welche Vorteile sie ihnen zu bieten hat, und je schneller sie diese Vorteile für unverzichtbar halten. Beim Web hat dieser Prozess nicht einmal 10 Jahre gedauert. Ich denke also, dass es innerhalb der nächsten 5 Jahre soweit sein könnte. Vielleicht aber auch noch sehr viel schneller.
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