Jan Entzminger zur Barrierefreiheit im Internet
Jan Entzminger, Geschäftsführer blindwerk-neue medien KG
Worauf muss man beim Thema Web-Accessibility besonders achten?
Jan Entzminger Sinn und Zweck von Web Accessibility ist, Webseiten der größtmöglichen Zielgruppe zur Verfügung zu stellen. Im Fokus dieser Anforderung müssen verschieden Säulen das gemeinsame Dach tragen: Zielgruppenansprache, Design / CI-Grundlagen des Kunden, Suchmaschinenoptimierung sowie die Aufbereitung der Inhalte. Wichtig ist daher, von Projektbeginn an die beteiligten Personen hinter diesen Anforderungen mit einzubeziehen und für das Thema zu sensibilisierenNur wenn Web-Accessibility in den Köpfen der Designer, Programmierer und Konzepter verankert ist, hat das Projekt eine Chance auf eine besonders barrierefreie Umsetzung.
Wo liegen die Schwierigkeiten bei der Umsetzung?
Jan Entzminger Die größte Schwierigkeit ist sicherlich, den Kunden für das Thema zu sensibilisieren. Die Anforderung “Barrierefrei” kommt bei sog. Kick- Off-Meetings sehr oft zur Sprache. Erklärt man dem Kunden aber, dass z.B. auch die Redakteure dieses “Spiel” mitspielen müssen und dies evtl. zu einem höheren Pflegeaufwand führt, läuft das Projekt “Barrierefreiheit” Gefahr als Nebensächlich abgetan zu werden. Oft kommt die viel zitierte Kostenbremse in`s Gespräch. Wir begegnen dem z.B. mittels den Vorteilen die sich aus Barrierefreiheit ergeben, wie z.B. größt mögliche Zielgruppenansprache, SEO und Zukunftssicherheit. Rein Umsetzungstechnisch aus dem Blickfeld der Agentur ergeben sich, bei sauberer Arbeitsweise mit Qualitätssicherung nach markanten Meilensteinen (Design, XHTML, CMS, Inhalte), keine Nennenswerten Probleme.
Gibt es auch Dont´s – sprich scheinbare Verbesserungen zu Gunsten der Barrierefreiheit die sich negativ auswirken können?
Jan Entzminger Eine Anforderung der Barrierefreiheit, die z.B. beim BIENE-Award groß geschrieben wird, ist die “Verwendung von einfacher Sprache”. Generell macht dies sicherlich Sinn, bei sehr spezifischen Webauftritten bewirkt dies aber das Gegenteil. So kann eine Fachwebseite für Chirugen und Ärzte nie ohne Fachbegriffe auskommen und wahrscheinlich auch nicht in einfacher Sprache kommuniziert werden. Sicherlich kann das Fachchinesisch entschlackt werden, völlig verzichtsbar ist dies aber nicht und somit der BITV-Anforderung entgegengesetzt.
Was bedeutet Web-Accessibility für den eCommerce?
Jan Entzminger Mehr Umsatz – eine leichtere und schlüssigere Shopbedienung kommt jedem Benutzer zu Gute. Somit wird mehr konsumiert.
Welche Tipps möchten Sie unseren Lesern beim Thema Web-Accessibility mit auf den Weg geben?
Jan Entzminger Web-Accessibility bietet viele Vorteile – einige die damit Hand in Hand gehen sind Suchmaschinenoptimierung, Zukunftssicherheit und die Erreichbarkeit der größtmöglichen Zielgruppe. Es sollte daher bei der Projektplanung auch immer ein Teil des Budget`s für Barrierefreiheit eingeplant werden. Wichtige Projektbeteiligte sollten frühzeitig für das Thema sensibilisiert und ggf. vorab geschult werden. Bei Umsetzungen über eine Agentur sollte auf wichtige Referenzen geachtet werden – leider gibt es auch hier sehr viele Scharlatane. Wichtige Auszeichnungen und Unabhängige Qualitätsnachweise sind: BIK 90 / 95 Test, BIENE Award und Shortlist, Section 508 Zertifizierung, Aufnahme im Barrierefreien Einkaufsführer.
Fallen Ihnen Positiv-/Negativ- Beispiele für gute Seiten ein?
Jan Entzminger Viele Negativbeispiele finden Sie bei Stadtverwaltungen – eigentlich sollten diese nach BITV barrierefrei sein. Die meisten sind es nicht. Meistens werden schon Grundlagen nicht eingehalten wie W3C-Konforme Programmierung: www.ludwigshafen.de, www.mannheim.de
Viele Positivbeispiele finden Sie beim BIENE-AWARDS: www.fh-flensburg.de, http://kooperationen.zew.de/de/seco, www.recapnet.org/de/recapnet
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