Mario Grobholz: Die Krise als Chance nutzen
Mario Grobholz, Gründer und Geschäftsführer myON-ID Media GmbH
Viele Analysten sehen für 2009 auch eine Krise in der Werbewirtschaft. Betrifft das auch alle Bereiche im Internet?
Mario Grobholz Es gibt sicherlich Bereiche, wie bspw. das Online Werbegeschäft in denen Auswirkungen der Krise direkt spürbar sein werden. Ich denke aber nicht, dass die gesamte Internetbranche negativ betroffen sein wird. Das Internet und die Intensität mit der das Internet genutzt wird wachsen noch immer. Hieraus ergibt sich aus meiner Sicht das Potential für gute Geschäftsmodelle in diesen Zeiten sogar stärker zu wachsen und die Möglichkeit sich gegen den Trend zu entwickeln.
Finanzkrise als Chance für das Online-Marketing? Wie werben heute in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Unternehmen am besten für ihre Produkte und Dienstleistungen?
Mario Grobholz Kein anderer Werbe- und Kommunikationskanal ist derart auf Performance ausgelegt wie das Internet. Von daher bietet sich ein Engagement dort gerade in Zeiten an, in denen der Mitteleinsatz primär unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit verstanden wird. Ich rechne daher mit einer Verlagerung von Budgtes in Richtung performance-orientiertes Marketing. Hier hat das Online Marketing ganz klar seine stärken. Ich kann heute sowohl im SEM, also auch im Media Bereich Kampagnen zu guten Konditionen buchen bei denen das Ergebnis relativ klar kalkulierbar ist. Ich würde daher die Zeiten der Krise nutzen um Marke und Bekanntheit durch Einkauf günstiger Reichweite zu nutzen. Das hat übrigens eBay während der Dot.com-Krise hervorragend und sehr zielstrebig gemacht. eBay hat in Zeiten in denen niemand im Internet werben wollte nahezu das gesamte Internet “leer gekauft” und ist dort sehr stark gewachsen.
Eine Krise bietet immer auch die Chance für Änderungen. Wo glauben Sie, dass im Internet was Neues entstehen wird?
Mario Grobholz Neues entsteht meiner Meinung nach primär in jungen Unternehmen die als Start-Up eine Idee mit hoher Eigenleistung und Motivation zur Marktreife bringen. Die Finanzkrise führt nun dazu, dass bei jungen Unternehmen viel stärker auf das Potential geachtet wird mit der dieses in der Lage ist Ihr Geschäftsmodell zu monetarisieren – und das nicht nur über Werbung. Insofern werden auch nicht mehr so viele Start-Ups von Investoren gefördert, weshalb dort die Qualität in Summe steigen sollte. Es gibt dabei einige Bereiche die besonders vielversprechend sind. Ich persönlich glaube an eine Weiterentwicklung bei einigen Social Networks und zeitgleich mit einem Rückgang des Interesses bei Social Networks die diese Veränderung nicht mitgehen. Es geht heute schon nicht mehr ausschließlich um die reine Nutzerzahl, sondern um das Management der Online Identität einer Person. Wir haben hierzu in 2008 Entwicklungen wie Facebook Connect und Google Friend Connect gesehen. Die Idee von myON-ID als Identity- und Reputation Plattform setzt genau auf diesen Trend auf. Social Netzwerke öffnen sich, geben dem Nutzer mehr Möglichkeiten sich im Internet frei und bequem zu bewegen. Diese Offenheit ist in meinen Augen der Vorläufer von offenen sozialen Netzen. Daraus wird viel Neues entstehen und einiges verändern was heute als gesetzt angesehen wird.
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