Vertrauen ist gut, Monitoring-Dienste sind besser

Tim Bormann, Blogger und IT-Experte

Für 10 Euro monatlich bietet der Markt inzwischen sowohl Shared-Hosting-Angebote als auch virtuelle Server. Wo ist das Geld besser angelegt?

Tim Bormann Anbieter von Shared-Hosting-Paketen bieten in der 10€-Preisklasse für die meisten Projekte genügend Performance und vielerlei Funktionen. Virtuelle Server, die ihrem Namen Ehre machen kosten einfach mehr.

Gibt es Webanwendungen, die sich mit einem Shared-Hosting-Angebot gar nicht realisieren ließen?

Tim Bormann Es stellt sich eher die Frage wie viele Besucher eine Webanwendung verträgt und viel Last ein Benutzer dabei erzeugt. Der Flaschenhals ist dann oft der zugewiesene Arbeitsspeicher oder die Datenbank. Dazu kommt ob die Grafiken von einem externen Server ausgeliefert werden oder nicht.

Gibt es eigentlich auch Virtual Server-Angebote, die sich ausdrücklich an technisch weniger versierte Anwender richten, und z. B. eine intuitive Konfigurationsoberfläche bieten?

Tim Bormann Ich habe selbst das Telekom-Angebot und das dogado-Angebot ausführlich getestet. Beide Oberflächen zur Administration basieren, wie bei den meisten vServer-Paketen, auf Plesk. Mit etwas Zeit und Geduld kann fast jeder damit einen Server administrieren.

Vielfach kann man beobachten, dass die Performance eines Shared-Hosting-Angebots der eines gleich teuren virtuellen Servers überlegen ist. Woran liegt das?

Tim Bormann Die Shared-Hosting-Pakete liegen auf einem Server oder sogar in einem Cluster. Der Webserver, der Datenbankserver und viele weitere Services laufen einmal und verbrauchen nur einmal Ressourcen. Bei vServern startet jede Instanz einen Webserver etc. Das ist ineffizient. Wenn in einem Cluster gleich viele Ressourcen zur Verfügung stehen und jedes Paket den gleichen Anteil bekommt, dann erhält logischerweie das Shared-Hosting-Paket für die eigentliche Produktion der Webanwendung einen deutlich größeren Teil der Ressourcen.

Neben Performance ist Hochverfügbarkeit ein wichtiges Kriterium. Doch messen lässt sich die Verfügbarkeit erst, wenn der Kunde sich bereits für ein Hosting-Angebot entschieden hat. Welche Anhaltspunkte kann ein Kunde, von den Versprechen der Anbieter einmal abgesehen, nutzen, um schon vorab die Verfügbarkeit zu beurteilen?

Tim Bormann Vertrauen ist gut, Monitoring-Dienste sind besser. Man sollte nicht nur die Benutzer zählen (wie bsp. mit Google Analytics), sondern auch wissen wie schnell die eigene Webseite lädt. Auf diese Art und Weise kann man meist Tendenzen absehen und die “positive Surferfahrung” des Benutzers sichern.

Manche Dienstanbieter limitieren den Inklusiv-Traffic, bei einem unerwarteten Besucheransturm wird es für den Seitenbetreiber dann richtig teuer. Wie lässt sich dem vorbeugen, und auf welche Fallstricke in den Angeboten gilt es sonst noch zu achten?

Tim Bormann Limits sind in Ordnung, wenn bei Überschreitung keine Mehrkosten entstehen sondern nur die Bandbreite verringert wird. Im Fall der Fälle kann man selbst entscheiden, ob man mehr Geld ausgeben will um wieder “volle Kraft zu haben” oder ob man anders reagieren will. Es gibt viele Stolpersteine, aber ein paar Dinge kann man grundsätzlich beachten: Jeder Anbieter der keine Möglichkeit zum Testen eines Paketes bietet sollte gemieden werden. Schließlich mietet niemand eine Wohnung langfristig, wenn er oder sie das Objekt nicht angesehen und ggf. hat prüfen lassen.

Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass der Anbieter auf Datensicherung wert legt, weil dies zeigt dass der Anbieter seriös arbeitet. Der größte Fehler ist aber, dass das Hosting-Paket und die Domain beim gleichen Anbieter geführt werden, denn wenn es Schwierigkeiten gibt, dann kann die Domain quasi als Geisel genommen werden, um die Forderungen durchsetzen zu können. Auf der anderen Seite kann man, wenn Anbieter A technische Schwierigkeiten hat in kurzer Zeit wieder online sein in dem man zu Anbieter B wechselt bzw. die Domain auf dessen Server umleitet.

Hosting-Angebote stehen sowohl auf Windows- als auch (sogar überwiegend) auf Linux-Basis zur Verfügung. Zu welcher Variante würden Sie raten?

Tim Bormann Linux! Meinen ersten Produktiv-Server habe ich mit Debian Woody (2002) ausgestattet und dieser läuft und läuft und … Microsoft-Server haben ihre Vorteile, aber ich rate zu Linux auf wenn Microsoft verführerischer erscheint aufgrund der bekannten Oberfläche.

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