An der Adobe Creative Suite kommt keiner vorbei
Alexander Sakhel, Selbstständiger Grafik-Designer aus Düsseldorf mit den Schwerpunkten Markenentwicklung, Corporate Design, Print Design.
Was denken Sie als Fachmann für Corporate Design über den Außenauftritt von Apple?
Alexander Sakhel Apple ist aufgeräumt, übersichtlich, intuitiv und emotional. Das sind nur einige Attribute, die dieses Unternehmen unter anderem so erfolgreich gemacht haben. Reduktion schafft Platz für das Wesentliche, Klarheit und Vereinfachung ist das Wesentliche dieser Marke. In Zeiten, in denen sich die Mitbewerber über die Komplexität ihrer Produkte definierten, ging Apple auf die Bedürfnisse der Benutzer ein. Sie haben z. B. in den 80er Jahren als erstes Unternehmen Richtlinien für die Gestaltung von Benutzeroberflächen definiert, um sicher zu stellen, dass die Anwendungen in Aussehen und Bedienung konsistent weiter entwickelt werden konnten. Somit ist das Corporate Design eine konsequente Visualisierung Apples innerer Haltung. Die Einfachheit der Produkte wird durch eine klare Kommunikation geprägt. Dieser zukunftsweisende Pioniergeist macht die Marke Apple für den Verbraucher so attraktiv.
Wie lange arbeiten Sie schon mit dem Mac und warum haben Sie sich dafür entschieden?
Alexander Sakhel Meinen ersten MAC kaufte ich 1994 als Student. Damals überlegte ich noch mir ein Auto oder einen MAC zu kaufen. Ich entschied mich für letzteres, ein Power Mac 7100 mit 80 MHz und verdiente damit das Geld für ein Auto. Die Marke Apple überzeugte mich durch Einfachheit und Zuverlässigkeit. 1999 folgte der Power Mac G3 (Blue & White) mit 450 MHz. Mit den schnelleren Prozessoren und erweiterten Festplattenkapazitäten stiegen auch die Anforderungen an die grafischen Umsetzungen. 2002 erweiterte ein 17 Zoll Powerbook G4 Titanium mit 1 GHz meine Rechnerkapazitäten. Mobilität und Flexibilität spielten eine immer größere Rolle, wodurch das Nachfolgermodell wieder ein 17 Zoll Powerbook G4 mit 1,5 GHz wurde. Zur Zeit arbeite ich an einem MacBook Pro 17 Zoll mit 2,33 GHz Intel Core 2 Duo welcher im Büro an den 23 Zoll LCD-Monitor angeschlossen wird. Im 3. Quartal 2011 steht der nächste Rechnerkauf an, voraussichtlich wieder ein 17 Zoll Powerbook G4 mit SSD Festplatte und allem, was man für die nächsten 2–3 Jahre an Voraussetzungen benötigt, um seine Ideen zu visualisieren und umzusetzen.
Welche Programme für den Mac nutzen Sie häufig und können Sie empfehlen?
Alexander Sakhel An der Adobe Creative Suite kommt keiner vorbei der professionell arbeiten möchte, da deren Programme und Tools bestens aufeinander abgestimmt sind und ein breit gefächertes Spektrum an Möglichkeiten für jegliche Anforderung bietet. Neben den Standard Programmen hat jeder Designer das eine oder andere Tool, welches einem den täglichen Workflow angenehmer gestaltet. Zu Empfehlen wären da für Schriftverwaltung der „Linotype FontExplorer“, „A Better Finder Rename“ welches beliebig vielen Dateien in einem Arbeitsschritt neue Namen/Endungen/fortlaufende Nummern etc. geben kann und das Widget „iStatPro“ mit dem man das System im Blick hält.
Was sind die Todsünden, die man im Corporate Design begehen kann?
Alexander Sakhel Todsünden fände ich jetzt übertrieben. Es gibt bei einem solch komplexen Thema viele Bereiche in denen Fehler gemacht werden können. Das geht vom falschen Umgang mit dem Logo über den Einsatz nicht definierter Schriften bis hin zu visuellem Wildwuchs, bei dem der eine oder andere Mitarbeiter meint, seine Clipartsammlung wäre in einer, eigens in Word gestalteten Anzeige, besser aufgehoben als die vom CD vorgegebenen Gestaltungselemente. Das wichtigste ist aber, dass das äußere Erscheinungsbild der Unternehmenshaltung entsprechen sollte. Der Verbraucher spürt, wenn ein Unternehmen sich nach außen anders präsentiert, als es in Wirklichkeit denkt oder handelt. Dazu gehört auch, nach innen einheitlich aufzutreten und das CD intern konsequent zu verfolgen und anzuwenden.
Würden Sie Erstellung von Logos etc. als Kunst bezeichnen? Immerhin sind sie Produkte einer künstlerischen Schaffensphase.
Alexander Sakhel Nein. Kunst sollte ausschließlich durch den schaffenden Künstler und seine Ziele geprägt sein. Sie muss bzw. sollte sich an keine Grenzen halten und unterliegt keinen Gesetzen. Ein Logo darf nicht die Haltung des schaffenden Kreativen transportieren, sondern die Seele der Marke erfassen. Dazu gehört auch auf den Kunden einzugehen und seine Vorstellungen zu respektieren. Wenn man mal nicht einer Meinung ist, hilft ein Gegenvorschlag / Vergleich und eine schlüssige Argumentation. In seltenen Fällen kann man auch danach auf taube Ohren stoßen, hier greift dann mein Lieblingszitat von Stromberg: „Wer die Kapelle bezahlt, darf auch bestimmen was gespielt wird.“ Als Designer muss man sich manchmal arrangieren und darf Entscheidungen des Kunden nicht persönlich nehmen, schon gar nicht, wenn eine nicht designaffine Juri oder Einzelperson das letzte Wort hat. Außerdem heißt es nicht, dass der Designer immer Recht haben muss.
Wenn Sie bspw. ein komplettes Corporate Design kreieren sollen, haben Sie strenge Vorgaben oder können Sie sich relativ frei entfalten? Wie lange dauert es im Durchschnitt?
Alexander Sakhel Das hängt vom Auftraggeber ab. Hat er keine Vorstellung von seiner Markenpersönlichkeit, oder möchte er die eierlegende Wollmilchsau, muss man als Designer zusammen mit dem Kunden Werte definieren und ihn beratend zum Ziel begleiten. Das kann je nach Größe und Mentalität des Unternehmens zwischen 2 Tagen und mehreren Monaten gehen und über kleine PDF-Präsentationen bis über mehrtägige Workshops zu einem Ergebnis führen. In den meisten Fällen reicht ein kurzes, aussagekräftiges Briefing mit allen relevanten Eckdaten zur Ausrichtung und Haltung des Unternehmens, um mein Spielfeld abzustecken.
Wovon lassen Sie sich inspirieren?
Alexander Sakhel Ich untersuche den Grund und Boden auf dem ich stehe genau, trage alles was mit der Marke zu tun hat zusammen und nutze diese Matrix, um daraus eine starke Idee und eine nachhaltige Konzeption zu entwickeln. Dabei ist die Lösung oft naheliegender als vermutet…
Was ist überhaupt der neue Trend im Grafikdesign?
Alexander Sakhel Grafikdesign ist ständig in Bewegung. Es gibt Tendenzen in verschiedenen Disziplinen. Wo fängt man an, wo hört man auf? Typografie, Illustration, Fotografie, 3D, Motiondesign? Design ist interdiziplinär und die Gewichtung der einzelnen Disziplinen ist abhängig von der Aufgabe und dem avisierten Ziel. Teilweise prägen programmtechnische Möglichkeiten den visuellen Output, z. B. als Programme die einfachere Handhabung von Transparenzen, Schatten oder Relliefkanten boten, veränderte sich viel im Editorialdesign. Die breite Masse arbeitet meiner Meinung nach zur Zeit viel zu viel mit Glossyeffekten und Buttonformen wie bei App-Icons. Aber das ist nur eine kleine Facette kreativer Umsetzungen. Einerseits wird der Umgang mit Typografie aufgeräumter, anderseits gibt es auch viele gute experimentelle typografische Arbeiten, aber auch hier ist die Wahl der Mittel abhängig davon, was ich mit meiner Arbeit aussagen möchte. Momentan finde ich lebendige Dreidimensionalität zusammen mit Typografie eine interessante Kombination. Sei es 3D Typo im Raum, organisch gewachsen, aus alltäglichem zusammen gestellt oder dreidimensionale Objekte, die im Zusammenspiel mit Typografie ein Spannungsfeld erzeugen.
Wie beurteilen Sie deutsches Design im internationalen Vergleich?
Alexander Sakhel Deutsches Design hat für mich einen hohen Stellenwert. Es ist nicht nur funktional und gradlinig wie uns das Bauhaus oder Otl Aicher gelehrt haben. Durchdachtheit verbinde ich mit Größen wie Erik Spiekermann, Claus Koch oder Peter Schmidt. Es kann aber auch lebendig und vielschichtig sein und muss sich im internationalen Vergleich nicht verstecken. Einen kleinen Eindruck kann man sich unter www.designmadeingermany.de machen. Ich persönlich halte auch viel von holländischem Design, da es oft sehr experimentell und mutig ist. Letztendlich ist es im Design wie in vielen anderen Bereichen, es kommt immer auf den Blickwinkel an und es gibt viel Gutes wie auch noch mehr nicht so gutes Design auf der ganzen Welt. Schaut Euch einfach mal um, denn wir können uns der visuellen Flut kaum entziehen.
Welchen Rat haben Sie für Nachwuchsdesigner, um effizienter arbeiten zu können und Erfolg zu haben?
Alexander Sakhel Die Anforderungen an Designer steigen stetig und sind Fachbereich übergreifend. In erster Linie hilft es gut organisiert und strukturiert aufgestellt zu sein. Dann heißt es beobachten und mit offenen Augen durchs Leben gehen, über den Tellerrand hinausschauen, aber auf ein Kerngebiet fokussieren. Eierlegende Wollmilchsäue und digitale Bauchläden gibt es zu genüge.
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